Achtsamkeit

In letzter Zeit wurde der Begriff „Achtsamkeit“ recht häufig verwendet. Ich finde, es ist hilfreich über Achtsamkeit, besonders über die Achtsamkeit, die man sich selbst einräumt, nachzudenken.

Meine Definition von Achtsamkeit ist: Ich achte auf etwas oder noch besser: Ich achte etwas, ich habe Achtung davor. Es ist mir wichtig, es ist mir wertvoll.

Achtsamkeit

Die meisten Menschen denken da an wertvolle Gegenstände, vielleicht wertvolle Gemälde oder alte Bücher. Einige denken auch an andere Menschen, Menschen, die sie gerne haben. Oder Menschen, die wichtig sind, weil sie Großes vollbracht haben.

Nur wenige denken dabei an sich selber. Mit anderen kann ich achtsam umgehen aber was hat der Begriff mit mir selber zu tun? Ist es nicht egoistisch, wenn ich an mich denke? So etwas tut man doch nicht. „Sei nicht so egoistisch!“ Einige von uns haben das sicher oft in ihrer Kindheit gehört.

Ich frage mich, wie jemand ernsthaft Achtung vor wertvollen Gegenständen und anderen Menschen haben kann, der keine Achtung vor sich selbst hat. Er hat bestenfalls Respekt vor dem hohen Preis dieser Gegenstände oder schmückt sich mit deren Wert, falls er sie besitzt. Man fühlt sich dann vielleicht besser oder wertvoller, weil man diese Dinge besitzt. Es ist sicherlich ein Teil von uns Menschen, dass wir uns immer wieder mit anderen vergleichen und daraus den Antrieb erhalten, Dinge die andere besitzen, auch besitzen zu wollen. Und anders herum messe ich andere Menschen auch daran, wie viel sie leisten und wie viel sie mir nutzen.

Leider beobachte ich in unserer Arbeitswelt immer mehr diese vor allem materielle Sichtweise. Die Argumente, die dafür sprechen, sind klar und auf den ersten Blick bestechend: Nur wenn die Leistung stimmt, kann Wachstum entstehen und ein Unternehmen oder eine Volkswirtschaft langfristig bestehen.

Die Frage, die ich mir dabei stelle ist, ob ein Mensch nur dann wertvoll ist, also einen Wert hat, wenn er den Ansprüchen von anderen entspricht und wenn er möglichst so funktioniert und so viel Leistung bringt, wie andere sich das vorstellen.

Das hat für mich nichts mit Achtsamkeit, sondern eher mit dem Respekt vor einer Leistung zu tun. Achtsamkeit gilt aus meiner Sicht allein dem Menschen. Aus dem einfachen Grund heraus, weil es ihn gibt. Diese Achtsamkeit ist für mich wichtig, allen anderen Menschen gegenüber aber vor allem mir selbst gegenüber.

In der Bibel steht der berühmte Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Da möchte ich von einigen Menschen möglichst nicht geliebt werden, denn die lieben sich selber gar nicht, sondern hassen sich eher. Und das würde ich ja dann nach diesem Satz abbekommen. Bitte so nicht!

Ich habe mir die Frage gestellt, wofür ich alles geben würde, wofür ich mich am meisten einsetzen würde, worauf ich am meisten achte. Nach einigem Nachdenken war meine Antwort: „Für mein eigenes Selbst“. Ich meine damit meine Identität und natürlich, dass es mir gut geht. Da kamen sie wieder, die Hüter der Moral und stellten mich in die Egoisten-Ecke. Ich habe die Meinung, dass ich mit dieser Einstellung sicher auch egoistisch bin, auf der anderen Seite aber erst durch diese Haltung für meine Umgebung, andere Menschen und die Gemeinschaft wertvoll sein kann, etwas geben kann. Ich finde es besser statt von Egoismus davon zu reden, dass ich mich frage, was ich benötige und es mir dann (nicht auf Kosten anderer) beschaffe und mich frage, was mir schadet und es aus meinem Leben ausmustere. Wenn ich nicht für mich sorgen würde, es mir also schlechter ginge, könnte ich auch weniger Nutzen für andere bringen.

Ich freue mich auf eine Diskussion zu diesem Thema und weiterführende Meinungen.