Angst – kein gutes Gefühl

Jeder hat in seinem Leben schon Angst gehabt. Angst vor der Dunkelheit, Angst vor einer schlechten Note, Angst, dass die Zukunft schlecht werden könnte,  Angst vor wilden Tieren, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst vor…

scared manIch unterscheide gerne, so wie ein Lehrer von mir (Danke Hermann Bayer), zwischen Furcht und Angst. Furcht ist etwas Reales, zeitlich und örtlich genau Definierbares. Sie tritt z.B. sofort ein, wenn der hungrige Löwe direkt vor mir steht. Diese Furcht ist wichtig und gut, denn durch sie werden in unserem Körper viele hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, die es uns ermöglichen, ganz schnell wegzulaufen und vielleicht unser Leben zu retten.

Aber was ist dann Angst? Ich verstehe darunter etwas, was wir uns in unserem Gehirn ausmalen. Etwas was nach unserer Vorstellung in der Zukunft passieren könnte. Das ist also keine reale Situation, die an einen Ort oder an eine bestimmte Zeit gebunden ist. Unsere Befürchtung (eigentlich müsste es nach der oben gemachten Definition „Be-Ängstigung“ heißen), könnte eintreten, sie muss es aber nicht. Ich könnte meinen Arbeitsplatz verlieren, mein Partner könnte mich verlassen, und so weiter. Die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens ist mehr oder weniger groß. Aber schon die Wahrscheinlichkeit kann einen unangenehmen Prozess des Grübelns in Gang setzten, ich nenne es gerne Kopfkino.

Alle diese Gedanken der Angst haben etwas gemeinsam: Die Situation ist jetzt im Moment nicht so, wie wir befürchten, sie kann vielleicht in der Zukunft eintreten, muss aber nicht.

Ich arbeite gerade selber mit einer Methode, die mir erlaubt, besser mit der Angst umzugehen. Ich erkenne die Umstände erst einmal als Tatsache an. Ein Beispiel: Jemand arbeitet schon lange in einer kleinen Firma, der es plötzlich wirtschaftlich sehr schlecht geht. Der Betroffene könnte bei einer Kündigungswelle betroffen sein. Viele Menschen reagieren jetzt mit Angst: Ich werde gekündigt, die gesamte Wirtschaftslage ist so schlecht, dass ich keine neue Stelle mehr finde, nach einem Jahr muss ich dann Hartz IV beantragen und irgendwann unter der Brücke schlafen. Jeder produziert da so seine eigenen Ängste und Szenarien, was alles passieren könnte. Angst bezieht sich also auf etwas, was in der Zukunft passieren könnte.

Es gibt aber real derzeit nur eine einzige Tatsache: Dass es der Firma schlecht geht. Das kann man in den Ergebnissen, der Zielerreichung oder der Bilanz nachlesen. Was ich dann mit den Informationen mache ist etwas, was nur in mir selber begründet ist, was ich selber in meinem Kopf produziere. Um verträglicher damit umzugehen, helfen mir vier Überlegungen:
  1. Wird sich das Problem in der Zukunft lösen, oder besser lösen, wenn ich jetzt Angst habe? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Das Angstgefühl selber schafft keine Lösung, es kann mir bestenfalls helfen, realistisch auf das Thema zu blicken und erforderliche Schritte zu machen oder einzuleiten. Das sollte ich dann auch wirklich tun.
  2. Geht es mir persönlich besser, wenn ich jetzt Angst habe? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Da ich vorher festgestellt habe, dass es sich immer um Tatsachen handelt, mit denen ich zu tun habe und ausschließlich meine bewussten und unbewussten Gedanken die Angst erzeugen, kann ich mich entscheiden, Gedanken, gegen die Angst zu entwickeln. Es sind nicht die Umstände an sich, die Angst erzeugen, das bin ausschließlich ich selber.
  3. Dinge, mit denen wir uns besonders intensiv oder fortgesetzt beschäftigen, gewinnen immer mehr Macht über uns. Irgendwann kann es zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung kommen. Ich ziehe die Dinge an, mit denen ich mich besonders intensiv beschäftige.
  4. Alles sachlich Mögliche unternehmen, damit die jetzt realen Umstände in der Zukunft keine oder möglichst geringe Nachteile für mich haben. Welche konkrete Handlung unternehme ich als nächstes?
Mein Fazit ist: Die Angst sollte ich mir sparen, erforderliche Handlungen sollte ich einleiten.
Es ist nicht leicht, besonders nicht als in der Vergangenheit ängstlicher Mensch, der Angst immer wieder die Tür zu weisen. Es ist aber meine Entscheidung, ob ich mich weiterhin von Ängsten regieren lasse, oder ob ich mich, z.B. mit den oben beschriebenen Überlegungen gegen die Angst wehre. Ich übernehme also Verantwortung für das, was sich in meinen Gedanken abspielt und merke, dass ich meine Ängste immer besser kontrollieren kann. Der wichtigste Schritt war für mich das Anfangen. Ich spüre, dass ich mit dieser Methode immer mehr im Jetzt lebe. Die schöne Erfahrung dabei ist, dass es im Jetzt keine Angst gibt.
IMG_0667