Angst zulassen – der einzige Weg sie loszuwerden

Das klingt paradox, ist nach meiner Erfahrung aber der einzige erfolgreiche Ansatz. Wenn wir versuchen uns gegen die Angst zu wehren, ist sie ja ständig in unserem Kopf. Was wir weghaben wollen, wird nur um so mächtiger.

Angst ist mit dem Menschsein eng verknüpft. Ich bezeichne es als Angst vor der Zukunft, oder noch besser, Angst vor dem Tod. Es ist eine Grundangst. Sie sucht sich immer wieder neue Themen durch die sie sich bemerkbar macht. Mal ist es Angst vor dem Verlassenwerden, wenn die bewältigt ist, kommt sie als Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, wenn die dann bewältigt ist, als Angst vor einer schweren Krankheit. Und so geht es laufend fort. Jeder entwickelt da seine eigenen Ängste. Es macht also keinen Sinn die Angst immer wieder ausschließlich mit unserer Logik in einem Einzelfall zu beseitigen, wir brauchen eine Methode, die an der Wurzel ansetzt.Entspannung am Strand Wie wäre es also, wenn ich einen Weg finde, der Angst so die Stirn zu bieten, dass sie wie eine Welle am flachen Strand einfach ausläuft, bis sie irgendwann keinen Angriffspunkt mehr findet. Ich sehe die Angst dann noch, aber sie erreicht mich nicht mehr; ich bin geschützt. Ja, ich weiß, so perfekt bekommt es wohl niemand hin, aber wie wäre es, wenn man davon ein gutes Stück in seinem Leben etablieren kann? Eine Möglichkeit geht so:

Ich lokalisiere die Angst in meinem Körper. Meistens spüre ich sie im Bauch. Ich beschreibe die Angst, wie sie sich anfühlt, z.B. wie ein Stein, ein Messer, wie Feuer, usw. Dann wende ich meine Aufmerksamkeit nur noch auf dieses Gefühl. Ich liefere mich dann der Angst aus, ich gebe den Widerstand komplett auf. Die Angst darf mit mir machen, was sie will.

Was wir ablehnen, kommt nur stärker zurück. Es macht keinen Sinn die Angst abzulehnen, sie nicht mehr haben zu wollen. Die Angst ist stärker.

Falls das Kopfkino doch wieder einsetzt, gehe ich mit meiner Aufmerksamkeit sofort wieder zu dem Gefühl der Angst zurück, also z.B. dem Stein auf meinem Bauch. Die Angst wird dann immer kleiner und irgendwann ganz verschwinden. Diese Übung führt mich immer wieder zum jetzigen Augenblick. Ich habe festgestellt, im Jetzt gibt es keine Angst.

Wenn ich mich der Angst völlig ausliefere, wird sie anfangs vielleicht stärker werden. Vielleicht so stark, dass es sich anfühlt, als ob ich es nicht aushalte. Aber die Angst wird dann in aller Regel nachlassen und immer weiter zurückgehen. Wichtig ist immer, dass ich sie annehme, ihr Raum gebe, sie willkommen heiße. Sie ist ja ein Teil von mir und hat mir immer etwas Wichtiges zu sagen.

Diese Übung kostet anfangs Disziplin und Überwindung, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, meine Angst wurde schon kleiner und ich arbeite mit der Methode immer weiter.

Ich danke Ernst Kobler für die vielen hilfreichen Anregungen zu diesem Thema.

Was sind Ihre Strategien, mit der Angst umzugehen? Ich freue mich auf Anregungen.