Michael Dames’ Blog

Danke Apple

Heute habe ich einmal ein ganz anderes, ein ganz sachliches Thema. Aber das muss sein. Ich möchte einfach mal Danke sagen.

Vor zwei Jahren, am 10 Februar 2014 hatte ich mir im Apple-Laden am Münchner Marienplatz eine Magic Mouse gekauft. So richtig zufrieden war ich nie damit. Mal koppelte sie über Bluetooth, dann war die Verbindung wieder weg. Ehrlich gesagt, sie war mir zu oft weg. Was habe ich nicht alles angestellt, damit die Verbindung endlich klappt. Sogar komplett deinstalliert und wieder neu installiert habe ich die Maus. Die Akkus waren natürlich auch geladen, ich habe es überprüft.

Kürzlich ging die Verbindung zwischen Maus und Macbook dann komplett verloren und alle meine Versuche, sie wieder in Betrieb zu nehmen, blieben erfolglos. So war diese Maus für die Katz.

Cat hunting for little gerbil mouse on red table.

Da der Kauf schon sehr lange zurücklag, dachte ich, ich hätte eben Pech gehabt und arbeitete mit dem Trackpad auf dem Macbook weiter, was übrigens hervorragend geht. Aber geärgert habe ich mich schon über den Fehlkauf. Am 07.03.16 packte mich dann doch der Rappel und ich zog mit der Maus bewaffnet los nach München. Ich traf mich mit einem Freund und legte den Treffpunkt auf den Marienplatz, dann könnte ich vorher noch im Apple-Laden vorbei schauen und fragen, was man mit der Maus machen könne. Dabei war mir klar, dass die Gewährleistungsfrist abgelaufen war. Meine Schuld!

Im Laden wurde ich an die Mitarbeiter verwiesen, die solche Fälle aufnehmen. Oh, welche Schlange, dachte ich, aber es ging doch recht flott, bis ich drankam. Der Mitarbeiter wollte die Quittung sehen, ich hatte sie dabei, und er versprach, dass sich ein Spezialist um das Thema kümmern werde. Ich musste keine 10 Minuten warten, dann war der Spezialist da. Er heißt auch Michael, hat sich freundlich vorgestellt und nahm meine Maus mit, um zu prüfen, was da zu machen wäre. Nach kurzer Zeit kam er wieder und meinte, die Maus sei kaputt aber man würde mir aus Kulanz ein Angebot machen. Entweder könnte ich die Maus kostenlos umtauschen, gegen eine neue des gleichen Modells oder 20 EUR draufzahlen und das Nachfolgemodell erhalten.

Ich fiel vor Erstaunen fast vom Stuhl. Die Gewährleistungsfrist war überschritten und trotzdem sollte ich Ersatz erhalten. Das fand ich sehr entgegenkommend. Ich bedankte mich und entschied mich für das Nachfolgemodell. Die 20 EUR sind gut investiert. Denn inzwischen arbeite ich täglich damit, es gibt keine Aussetzer mehr und die Akkuladung hält gefühlt eine Ewigkeit. Ich habe jetzt noch 83% Batterieladung, obwohl ich das Teil noch nie aufgeladen habe und es täglich intensiv nutze. Wow!

Normalerweise habe ich großen Konzernen gegenüber einige Vorbehalte. Ich war schon oft in der Servicewüste. Aber dieses Erlebnis fand ich positiv. Ich bereue es nicht, auf Apple umgestiegen zu sein. Nicht nur die Produkte und die Bedienung finde ich Spitze, auch dieses Service-Erlebnis hat mich vollkommen überzeugt. Ein dickes Danke!

Haben Sie auch positive Erfahrungen mit Apple oder anderen Serviceleistungen? Lassen Sie es mich wissen.

Angst zulassen – der einzige Weg sie loszuwerden

Das klingt paradox, ist nach meiner Erfahrung aber der einzige erfolgreiche Ansatz. Wenn wir versuchen uns gegen die Angst zu wehren, ist sie ja ständig in unserem Kopf. Was wir weghaben wollen, wird nur um so mächtiger.

Angst ist mit dem Menschsein eng verknüpft. Ich bezeichne es als Angst vor der Zukunft, oder noch besser, Angst vor dem Tod. Es ist eine Grundangst. Sie sucht sich immer wieder neue Themen durch die sie sich bemerkbar macht. Mal ist es Angst vor dem Verlassenwerden, wenn die bewältigt ist, kommt sie als Angst vor dem Arbeitsplatzverlust, wenn die dann bewältigt ist, als Angst vor einer schweren Krankheit. Und so geht es laufend fort. Jeder entwickelt da seine eigenen Ängste. Es macht also keinen Sinn die Angst immer wieder ausschließlich mit unserer Logik in einem Einzelfall zu beseitigen, wir brauchen eine Methode, die an der Wurzel ansetzt.Entspannung am Strand Wie wäre es also, wenn ich einen Weg finde, der Angst so die Stirn zu bieten, dass sie wie eine Welle am flachen Strand einfach ausläuft, bis sie irgendwann keinen Angriffspunkt mehr findet. Ich sehe die Angst dann noch, aber sie erreicht mich nicht mehr; ich bin geschützt. Ja, ich weiß, so perfekt bekommt es wohl niemand hin, aber wie wäre es, wenn man davon ein gutes Stück in seinem Leben etablieren kann? Eine Möglichkeit geht so:

Ich lokalisiere die Angst in meinem Körper. Meistens spüre ich sie im Bauch. Ich beschreibe die Angst, wie sie sich anfühlt, z.B. wie ein Stein, ein Messer, wie Feuer, usw. Dann wende ich meine Aufmerksamkeit nur noch auf dieses Gefühl. Ich liefere mich dann der Angst aus, ich gebe den Widerstand komplett auf. Die Angst darf mit mir machen, was sie will.

Was wir ablehnen, kommt nur stärker zurück. Es macht keinen Sinn die Angst abzulehnen, sie nicht mehr haben zu wollen. Die Angst ist stärker.

Falls das Kopfkino doch wieder einsetzt, gehe ich mit meiner Aufmerksamkeit sofort wieder zu dem Gefühl der Angst zurück, also z.B. dem Stein auf meinem Bauch. Die Angst wird dann immer kleiner und irgendwann ganz verschwinden. Diese Übung führt mich immer wieder zum jetzigen Augenblick. Ich habe festgestellt, im Jetzt gibt es keine Angst.

Wenn ich mich der Angst völlig ausliefere, wird sie anfangs vielleicht stärker werden. Vielleicht so stark, dass es sich anfühlt, als ob ich es nicht aushalte. Aber die Angst wird dann in aller Regel nachlassen und immer weiter zurückgehen. Wichtig ist immer, dass ich sie annehme, ihr Raum gebe, sie willkommen heiße. Sie ist ja ein Teil von mir und hat mir immer etwas Wichtiges zu sagen.

Diese Übung kostet anfangs Disziplin und Überwindung, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, meine Angst wurde schon kleiner und ich arbeite mit der Methode immer weiter.

Ich danke Ernst Kobler für die vielen hilfreichen Anregungen zu diesem Thema.

Was sind Ihre Strategien, mit der Angst umzugehen? Ich freue mich auf Anregungen.

Angst – kein gutes Gefühl

Jeder hat in seinem Leben schon Angst gehabt. Angst vor der Dunkelheit, Angst vor einer schlechten Note, Angst, dass die Zukunft schlecht werden könnte,  Angst vor wilden Tieren, Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, Angst vor…

scared manIch unterscheide gerne, so wie ein Lehrer von mir (Danke Hermann Bayer), zwischen Furcht und Angst. Furcht ist etwas Reales, zeitlich und örtlich genau Definierbares. Sie tritt z.B. sofort ein, wenn der hungrige Löwe direkt vor mir steht. Diese Furcht ist wichtig und gut, denn durch sie werden in unserem Körper viele hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, die es uns ermöglichen, ganz schnell wegzulaufen und vielleicht unser Leben zu retten.

Aber was ist dann Angst? Ich verstehe darunter etwas, was wir uns in unserem Gehirn ausmalen. Etwas was nach unserer Vorstellung in der Zukunft passieren könnte. Das ist also keine reale Situation, die an einen Ort oder an eine bestimmte Zeit gebunden ist. Unsere Befürchtung (eigentlich müsste es nach der oben gemachten Definition „Be-Ängstigung“ heißen), könnte eintreten, sie muss es aber nicht. Ich könnte meinen Arbeitsplatz verlieren, mein Partner könnte mich verlassen, und so weiter. Die Wahrscheinlichkeit des Eintreffens ist mehr oder weniger groß. Aber schon die Wahrscheinlichkeit kann einen unangenehmen Prozess des Grübelns in Gang setzten, ich nenne es gerne Kopfkino.

Alle diese Gedanken der Angst haben etwas gemeinsam: Die Situation ist jetzt im Moment nicht so, wie wir befürchten, sie kann vielleicht in der Zukunft eintreten, muss aber nicht.

Ich arbeite gerade selber mit einer Methode, die mir erlaubt, besser mit der Angst umzugehen. Ich erkenne die Umstände erst einmal als Tatsache an. Ein Beispiel: Jemand arbeitet schon lange in einer kleinen Firma, der es plötzlich wirtschaftlich sehr schlecht geht. Der Betroffene könnte bei einer Kündigungswelle betroffen sein. Viele Menschen reagieren jetzt mit Angst: Ich werde gekündigt, die gesamte Wirtschaftslage ist so schlecht, dass ich keine neue Stelle mehr finde, nach einem Jahr muss ich dann Hartz IV beantragen und irgendwann unter der Brücke schlafen. Jeder produziert da so seine eigenen Ängste und Szenarien, was alles passieren könnte. Angst bezieht sich also auf etwas, was in der Zukunft passieren könnte.

Es gibt aber real derzeit nur eine einzige Tatsache: Dass es der Firma schlecht geht. Das kann man in den Ergebnissen, der Zielerreichung oder der Bilanz nachlesen. Was ich dann mit den Informationen mache ist etwas, was nur in mir selber begründet ist, was ich selber in meinem Kopf produziere. Um verträglicher damit umzugehen, helfen mir vier Überlegungen:
  1. Wird sich das Problem in der Zukunft lösen, oder besser lösen, wenn ich jetzt Angst habe? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Das Angstgefühl selber schafft keine Lösung, es kann mir bestenfalls helfen, realistisch auf das Thema zu blicken und erforderliche Schritte zu machen oder einzuleiten. Das sollte ich dann auch wirklich tun.
  2. Geht es mir persönlich besser, wenn ich jetzt Angst habe? Die Antwort ist ganz klar: Nein! Da ich vorher festgestellt habe, dass es sich immer um Tatsachen handelt, mit denen ich zu tun habe und ausschließlich meine bewussten und unbewussten Gedanken die Angst erzeugen, kann ich mich entscheiden, Gedanken, gegen die Angst zu entwickeln. Es sind nicht die Umstände an sich, die Angst erzeugen, das bin ausschließlich ich selber.
  3. Dinge, mit denen wir uns besonders intensiv oder fortgesetzt beschäftigen, gewinnen immer mehr Macht über uns. Irgendwann kann es zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung kommen. Ich ziehe die Dinge an, mit denen ich mich besonders intensiv beschäftige.
  4. Alles sachlich Mögliche unternehmen, damit die jetzt realen Umstände in der Zukunft keine oder möglichst geringe Nachteile für mich haben. Welche konkrete Handlung unternehme ich als nächstes?
Mein Fazit ist: Die Angst sollte ich mir sparen, erforderliche Handlungen sollte ich einleiten.
Es ist nicht leicht, besonders nicht als in der Vergangenheit ängstlicher Mensch, der Angst immer wieder die Tür zu weisen. Es ist aber meine Entscheidung, ob ich mich weiterhin von Ängsten regieren lasse, oder ob ich mich, z.B. mit den oben beschriebenen Überlegungen gegen die Angst wehre. Ich übernehme also Verantwortung für das, was sich in meinen Gedanken abspielt und merke, dass ich meine Ängste immer besser kontrollieren kann. Der wichtigste Schritt war für mich das Anfangen. Ich spüre, dass ich mit dieser Methode immer mehr im Jetzt lebe. Die schöne Erfahrung dabei ist, dass es im Jetzt keine Angst gibt.
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Wut – eine notwendige Emotion

Sind Sie manchmal wütend? So wütend, dass Sie es jemandem mal so richtig heimzahlen wollen?

Nein!!!! Ich doch nicht!!!!, denken Sie vielleicht jetzt. So etwas macht man doch nicht. Man ist nicht wütend. Das haben uns unsere Eltern schon gelehrt. Und in der Schule gab es bei Trotz oder Zorn zu meiner Zeit sogar noch Schläge. Man macht so was mit sich selber ab. Frisst es am besten in sich rein. Aber wo bleibt es dann? Was richtet es nach dem Reinfressen in uns an? Lagert sich die Wut vielleicht irgendwo ab? Was passiert da kurz- und langfristig?

Ich schreibe hier einige Gedanken zu diesem aus meiner Sicht so wichtigen Thema.

Was macht denn die Wut zu einem so unangenehmen Thema? Die Meisten denken da vielleicht an ein kleines Kind, das sich verweigert und störrisch und zornig mit dem Fuß aufstampft. Mit so einem Kind ist nicht mehr zu reden. Man lässt es am besten in Ruhe und wartet bis der Wutanfall vorüber ist.

Die Transaktionsanalyse beschreibt so etwas mit dem Begriff „Trotziges Kind-Ich“. Das ist sicher nicht einfach für die Eltern, da richtig zu reagieren.

Closeup portrait Angry young Boy, Blowing Steam coming out of ears, about have Nervous atomic breakdown, isolated grey background. Negative human emotions, Facial Expression, feeling attitude reaction

Aber was passiert in solchen Situationen wirklich zwischen dem trotzigen Kind und seinen Mitmenschen? Das Kind entwickelt sich von einem abhängigen kleinen Menschen, zu einem Menschen, der immer eigenständiger wird. Das muss so sein. Sonst wäre es krank. Das Kind entwickelt seine Persönlichkeit und grenzt sich von anderen Menschen ab. Es steckt eine Grenze und entscheidet, da darf niemand drüber treten. „Sonst werde ich wütend und verteidige mich!“

Auf der anderen Seite erfährt das Kind, dass auch andere Menschen ihre Grenzen gesteckt haben und es nicht besonders schätzen, wenn andere da einfach drüber tapsen. Das Kind lernt, ja es muss lernen, dass es wichtig ist solche Grenzen selber zu zeigen, bei anderen zu respektieren und dass es Fälle gibt, in denen es zu einer Auseinandersetzung und Klärung kommt und diese Klärung am Besten so abläuft, dass keiner sein Gesicht verliert. Und es muss auch lernen und akzeptieren, dass es Situationen gibt, in denen es besser nachgibt und einsieht, dass der andere stärker ist. Es ist besser am Straßenrand zu warten und erst nach der Vorbeifahrt der Dampfwalze die Fahrbahn überqueren. Auch wenn man es noch so eilig hat. Nicht jedes Nachgeben endet in einer seelischen Katastrophe.

Ich halte viel von Klärung, Überzeugung und Einsicht. Das erfordert von allen Beteiligten viel Mut, sozialen Mut, Bereitschaft, Argumente zu prüfen, abzuwägen und Einsicht zu zeigen. Keinesfalls braucht es Rechthaber, Schulmeister und Besserwisser. Solche Menschen sind auch im erwachsenen Alter noch trotzige Kinder. Trotz halte ich bei kleinen Kindern noch für vertretbar. Sie können noch nicht besonders gut argumentieren und wären sonst den Erwachsenen bei Meinungsverschiedenheiten ja ständig unterlegen. Aber das muss sich im Laufe der Jahre, mit zunehmender Reife, immer mehr in Richtung einer zivilisierten Auseinandersetzung durch Worte verändern. Ein Kind hat noch nicht die soziale Kompetenz eines Absolventen der Soziologie und greift auf die Mittel zurück, die es hat. Anfangs ist das Trotz und Zorn. Später wandelt es sich (hoffentlich) zu sozial verträglicheren Methoden. Gewalt geht für mich gar nicht, erst recht nicht bei Erwachsenen. Und schon gar nicht gegenüber Kindern.

Wut ist so wichtig. „Wenn man der Wut den kindlichen, trotzigen Anteil nimmt, bleibt reine Kraft“, sagte einmal ein Ausbilder von mir (Danke, Georg Schobert). Wut ist also ein wichtiger Antrieb, auch gegen Widerstände von anderen etwas zu schaffen, seinen eigenen Weg zu gehen. Eben nicht zu zweifeln und es den Bedenkenträgern mal so richtig zu zeigen. Nicht mit negativen Worten oder Taten, sondern durch eigene Anstrengung und Erfolge.

Der andere Teil, der mit der Abgrenzung zu tun hat, ist aber genau so wichtig. Es geht einfach nicht, dass die Schwiegermutter zum zehnten Mal fragt ob man denn wirklich meint, dass es reicht die Fenster nur alle vier Wochen zu putzen. Was denken denn da die Nachbarn? Also, ich würde mich schämen“. Ich merke schon beim Schreiben dieser Worte, wie die Wut in mir aufsteigt und da gilt es ganz klar eine Grenze zu ziehen und deutlich zu machen, dass das die Schwiegermutter überhaupt nichts angeht. Dass sie besser ihren Mund hält und sich um ihre eigenen Fenster kümmert. So etwas muss nicht gleich mit einem Rauswurf derselben enden, kann aber bei entsprechender Penetranz durchaus dazu führen. Ihre eigenen Fenster darf die Schwiegermutter selbstverständlich gerne täglich putzen.

Wenn man sich solche oder ähnliche Grenzverletzungen unwidersprochen des Öfteren antun lässt, dann hat das Konsequenzen. Man wirkt zwar friedlich und brav aber innerlich kocht und brodelt es doch. Der Selbstwert und die Achtung, die man vor sich selber hat, nehmen doch bei jedem neuen Mal weiter ab. Und letztlich richtet man ja die Wut gegen sich selbst, weil man sich insgeheim ärgert, wieder einmal das Maul nicht aufgekriegt zu haben. Die Psychologen sind sich heute sicher, dass diese auf einen selber gerichtete Wut eine Ursache für Depressionen ist. Man fühlt sich gegenüber den Grenzverletzungen hilflos, als Opfer. Und wenn man nichts mehr schafft, ist man eben antriebslos und alles wird düster. Das ist aber keine gute Wahl.

Jedes Mal, wenn man eine Grenzüberschreitung einfach herunterschluckt, speichert unser Unterbewusstsein das als Niederlage ab. Das Unterbewusstsein vergisst nichts und irgendwann ist das Fass dann eben übergelaufen. Das hängt von der jeweiligen Persönlichkeit und der Schwere der Grenzüberschreitungen ab.

Der Mensch hat die Wahl. Er kann den Weg des Gefallen-Wollens wählen oder in seine Wut und damit seine Kraft kommen. Andere zu Konfrontieren ist auf Dauer der bessere Weg. Die Umgebung schätzt das sogar. Man wird klarer, greifbarer, berechenbarer. Wut hat für mich erst einmal nichts mit hässlicher Gewalt zu tun, sondern mit Abgrenzung, Klarheit und der Entscheidung zu sich, seiner Meinung, seiner Persönlichkeit, seinen Bedürfnissen und seinen Gefühlen zu stehen.

Wut stärkt das Selbstbewusstsein und formt die Persönlichkeit.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich immer besser positionieren können und keine Angst vor Ihrer Wut haben.

 

Lassen Sie mich an Ihren Erfahrungen mit der Wut teilhaben. Wie stehen Sie zu dem Thema? Ich freue mich auf Ihre E-Mails und Kommentare.

 

Achtsamkeit

In letzter Zeit wurde der Begriff „Achtsamkeit“ recht häufig verwendet. Ich finde, es ist hilfreich über Achtsamkeit, besonders über die Achtsamkeit, die man sich selbst einräumt, nachzudenken.

Meine Definition von Achtsamkeit ist: Ich achte auf etwas oder noch besser: Ich achte etwas, ich habe Achtung davor. Es ist mir wichtig, es ist mir wertvoll.

Achtsamkeit

Die meisten Menschen denken da an wertvolle Gegenstände, vielleicht wertvolle Gemälde oder alte Bücher. Einige denken auch an andere Menschen, Menschen, die sie gerne haben. Oder Menschen, die wichtig sind, weil sie Großes vollbracht haben.

Nur wenige denken dabei an sich selber. Mit anderen kann ich achtsam umgehen aber was hat der Begriff mit mir selber zu tun? Ist es nicht egoistisch, wenn ich an mich denke? So etwas tut man doch nicht. „Sei nicht so egoistisch!“ Einige von uns haben das sicher oft in ihrer Kindheit gehört.

Ich frage mich, wie jemand ernsthaft Achtung vor wertvollen Gegenständen und anderen Menschen haben kann, der keine Achtung vor sich selbst hat. Er hat bestenfalls Respekt vor dem hohen Preis dieser Gegenstände oder schmückt sich mit deren Wert, falls er sie besitzt. Man fühlt sich dann vielleicht besser oder wertvoller, weil man diese Dinge besitzt. Es ist sicherlich ein Teil von uns Menschen, dass wir uns immer wieder mit anderen vergleichen und daraus den Antrieb erhalten, Dinge die andere besitzen, auch besitzen zu wollen. Und anders herum messe ich andere Menschen auch daran, wie viel sie leisten und wie viel sie mir nutzen.

Leider beobachte ich in unserer Arbeitswelt immer mehr diese vor allem materielle Sichtweise. Die Argumente, die dafür sprechen, sind klar und auf den ersten Blick bestechend: Nur wenn die Leistung stimmt, kann Wachstum entstehen und ein Unternehmen oder eine Volkswirtschaft langfristig bestehen.

Die Frage, die ich mir dabei stelle ist, ob ein Mensch nur dann wertvoll ist, also einen Wert hat, wenn er den Ansprüchen von anderen entspricht und wenn er möglichst so funktioniert und so viel Leistung bringt, wie andere sich das vorstellen.

Das hat für mich nichts mit Achtsamkeit, sondern eher mit dem Respekt vor einer Leistung zu tun. Achtsamkeit gilt aus meiner Sicht allein dem Menschen. Aus dem einfachen Grund heraus, weil es ihn gibt. Diese Achtsamkeit ist für mich wichtig, allen anderen Menschen gegenüber aber vor allem mir selbst gegenüber.

In der Bibel steht der berühmte Satz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Da möchte ich von einigen Menschen möglichst nicht geliebt werden, denn die lieben sich selber gar nicht, sondern hassen sich eher. Und das würde ich ja dann nach diesem Satz abbekommen. Bitte so nicht!

Ich habe mir die Frage gestellt, wofür ich alles geben würde, wofür ich mich am meisten einsetzen würde, worauf ich am meisten achte. Nach einigem Nachdenken war meine Antwort: „Für mein eigenes Selbst“. Ich meine damit meine Identität und natürlich, dass es mir gut geht. Da kamen sie wieder, die Hüter der Moral und stellten mich in die Egoisten-Ecke. Ich habe die Meinung, dass ich mit dieser Einstellung sicher auch egoistisch bin, auf der anderen Seite aber erst durch diese Haltung für meine Umgebung, andere Menschen und die Gemeinschaft wertvoll sein kann, etwas geben kann. Ich finde es besser statt von Egoismus davon zu reden, dass ich mich frage, was ich benötige und es mir dann (nicht auf Kosten anderer) beschaffe und mich frage, was mir schadet und es aus meinem Leben ausmustere. Wenn ich nicht für mich sorgen würde, es mir also schlechter ginge, könnte ich auch weniger Nutzen für andere bringen.

Ich freue mich auf eine Diskussion zu diesem Thema und weiterführende Meinungen.